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Heinrich E. Niemöller Markircher Straße 6 68229 Mannheim Tel: 0621 472046 Fax: 0621 481151 info@niemoeller.de |
Artikel aus dem Magazin Oldtimer-Markt "Verschluss-Sachen" - Mai 2011Was hat die US-amerikanische Börsenaufsicht mit der Ersatzteilversorgung für klassische Mercedes zu tun? Eine ganze Menge - denn zurzeit sorgen US-Gesetze dafür, dass deutsche Teilehändler nicht mehr beliefert werden.Seit Mitte November können wir nur noch das verkaufen, was wir am Lager haben. Neue Originalersatzteile bekommen wir von Daimler vorerst nicht mehr", bedauert Heinrich Niemöller, der seit 1976 mit Teilen für klassische Mercedes handelt Damit ist der Mannheimer Traditionsbetrieb keineswegs ein Einzelfall. Christian Rumland, der sich in Hamburg mit der Firma SLS vor allem um klassische Roadster mit dem Stern kümmert, hat dasselbe Problem: "Vor knapp einem halben Jahr hat Daimler den Verkauf von Originalersatzteilen an nicht autorisierte Wiederverkäufer untersagt seither sind auch wir auf unsere Restbestände angewiesen - und die gehen nun langsam zur Neige!"
Aber die Daimler AG kann nicht so, wie sie gerne möchte. Ursache ist ein Bestechungsskandal. Der sich im Jahr 2004 in den USA ereignete, als Daimler Chrysler noch ein börsennotiertes Unternehmen war, dessen Aktien an der New Yorker Wall Street gehandelt wurden. Erst im April 2010 einigte sich Daimler mit den dortigen Behörden auf einen Vergleich, in dessen Verlauf die Firma 185 Millionen Dollar zahlen musste. Seither stand das Unternehmen unter der gemeinsamen Beobachtung der US-Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) und des US-Justizministeriums, die in der Folge auch die Daimler-Vertriebsstrukturen dies- und jenseits des Atlantiks unter die Lupe nahmen. In die Kritik gerieten dabei die Verträge mit Niederlassungen und Vertragshändlern, weil diese ein Wettbewerbsverbot enthalten - womit der Verkauf an Wiederverkäufer untersagt wird. Nach europäischem Recht sind solche Wettbewerbseinschränkungen zulässig, wenn die Voraussetzungen der sogenannten Gruppenfreistellungsverordnung erfüllt werden. Demnach sind Firmen nicht verpflichtet, auch Konkurrenzprodukte anzubieten, wenn sie ausschließlich Erzeugnisse der eigenen Marke verkaufen. Da die freien Zwischenhändler aber nicht unmittelbar zur Daimler-Vertriebsorganisation zählen, entsteht hier eine juristische Angriffsfläche, sobald Daimler Teile über diese Firmen vertreibt. Dabei steht für die Marke mit dem guten Stern weit mehr auf dem Spiel als nur das Geschäft mit ein paar Oldtimerteilen. Im schlimmsten Fall wären die US-Behörden sogar berechtigt dem Unternehmen den Zutritt zum riesigen US-Markt zu verwehren. Kein Wunder also, dass die Stuttgarter hier überhaupt keinen Spaß verstehen ... Ein Kompromiss könnte die Lösung des Problems sein. Demnach soll es eine Ausnahmeregelung geben für all jene Fahrzeuge, deren Produktion vor mehr als 30 Jahren ausgelaufen ist Heinrich Niemöller: "Das ist allerdings gar nicht so einfach, denn es gibt jede Menge Teile, die auch nach Auslaufen einer Baureihe im Nachfolgemodell weiter verwendet wurden. Wenn also eine Benzinpumpe aus dem W108 auch noch in den Strichacht und den W123 eingebaut wurde, ist der Stichtag für die Freigabe das Auslaufen der Baureihe W123 im Jahr 1985 und nicht 1972, als der letzte W108 vom Band lief. Derzeit überprüft Daimler den, Teilebestand in dieser Hinsicht und ich hoffe, dass wir ab Juni wieder Originalteile bekommen. Es zeichnet sich allerdings schon jetzt ab, dass von den 20.000 Positionen, die wir aktuell in unseren Online-Listen haben, nur rund 7.500 übrig bleiben werden. Dabei trifft es uns bei Weitem nicht so hart wie andere Kollegen, denn unser Hauptbetätigungsfeld liegt im Bereich der fünfziger Jahre, also Ponton, Adenauer, 190 SL und 300 SL. Aber wenn man bedenkt dass Blechteile für einen 107er SL erst 2019 freigegeben werden, ist das schon bitter!" Der Teufel liegt im Detail. Denn oft sind es Kleinteile wie Gummitüllen oder Dichtungen, die modellübergreifend jahrzehntelang produziert wurden. "Da wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als eigene Nachfertigungen in Auftrag zu geben", bedauert Niemöller. Bei Daimler gilt es indes als offenes Geheimnis, dass die freien Oldtimer-Teilehändler eine wichtige Stütze der Klassiker-Versorgung sind. Den Ersatzteilverkäufern in den Mercedes-Benz-Niederlassungen fehlt beim Geschäft mit den betagten Komponenten nicht nur die Routine, wenn beispielsweise eine Verteilerkappe ohne Bestellnummer einfach nur unter Angabe der Modellvariante geordert werden soll. Auch zeitlich kann es am Ersatzteilschalter eng werden, wenn ein Oldtimerfreund seinen Bedarf an Kleinteilen für die Hobbyrestaurierung abarbeiten will. "Das Wichtigste ist dass die Besitzervon Mercedes-Benz-Klassikern ihre Fahrzeuge auch weiterhin so problemlos bewegen können "wie bisher", resümiert Florian Zimmermann. "Ob die dazu notwendigen Ersatzteile direkt von uns oder über die bekannten Händler vertrieben werden, ist aus unserer Sicht eher nebensächlich. Soweit wir es können - und dürfen - werden wir die spezialisierten Firmen unterstützen. Wir rechnen schon sehr bald mit einer Lösung, die für alle Beteiligten tragbar ist." Text und Foto: Peter Steinfurth - p.steinfurth@oldtimer-markt.de |
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